VON DER AUTORIN ZUR SCHIRMHERRIN
Mein Name ist Margrit Schriber. Ich bin die Autorin von „Die hässlichste Frau der Welt“, ich lebe in der Schweiz und in der französischen Dordogne. Dieses Buch ist eines von vierzehn Büchern. Mehr darüber erfahren Sie unter www.margrit-schriber.ch.
BUCHIDEE
Ich bin vor mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal auf den Namen JULIA PASTRANA gestossen. Sie trat als sogenannte „Affenfrau“ in der Freakshow eines Tierhändlers Theodor Fairchild Lent auf, in einer Zeit, da einzigartige Kuriositäten der Natur das sensationshungrige Publikum in Scharen angezogen hat. Charles Darwin, der mit seinen Artikeln über die Entstehung der Arten einen Sturm der Entrüstung entfesselte, nannte sie „eine bemerkenswert feine Frau mit einem dicken Bart“. Sie stand jahrelang im Mittelpunkt von heftigen Debatten. Ist Gott bei seiner Schöpfung ein Fehler unterlaufen? Ist sie ein Mensch oder ein Tier oder gar eine Kreuzung zwischen Affen und Mensch. Muss sie als menschlicher Fehltritt betrachtet werden oder gilt sie gar als eine unbekannte neue Art? Es war die grosse Zeit der Entdeckungen. Die Pastrana galt als ein wissenschaftlich hoch interessantes Objekt. Ihr Manager gehörte bald zu den reichsten Menschen im Schaugeschäft. Sie galt als vorteilhafte Aktie und weckte die Begierde anderer Manager. Doch Lent sicherte sich sein Objekt durch Heirat. Er zeugte mit ihr ein Kind zur Erweiterung seiner Schau. Doch bei der Geburt starben Mutter und Kind. Der clevere Ehegatte und Manager liess die Körper einbalsamieren. Seine Relikte traten erneut die Schaureise an. Als Lent in einem russischen Irrenhaus starb, kamen die Relikte in die Hände wechselnden Besitzer. Während des 2. Weltkriegs konnten die Relikte vor der Vernichtung durch die Wehrmacht verschont werden, mit Hinweis auf ihren Schaucharakter, der als Muster der Entartung dienen könnte. Nach dem Krieg schreckten die Relikte in einem Warenhauskeller Diebe ab. Ein amerikanischer Sammler spürte Julia Pastrana nach langer Suche durch einen Detektiv auf. Die Relikte wurden aus dem Keller geholt und tingelten wieder durch Europa und Amerika. Hundert Jahre nach ihrem Tod waren sie berühmter denn je. Bis ein Aufschrei des Publikums ein Verbot für die Darstellung der Leichen erwirkte. Nun lagerten sie erneut im Keller, wurden gestohlen, teilweise zerfetzt, tauchten auf dem Abfall auf. Heute liegen die Leichen im Archiv eines forensischen Instituts in Norwegen.
MEIN ROMAN ALS ANNÄHERUNG AN DAS WESEN JULIA.
Ich habe mich schreibend auf die Suche nach diesem wie ein Tier gehaltenen und verkannten Wesens auf den Schaubühnen im Gelächter des Publikums gemacht. Die bewegte Zeit nach der Konservierung der Leichen habe ich ausgelassen. Man kann diese in verschiedenen Artikeln nachlesen. Mir hat nie eine Biografie über Julia Pastrana vorgeschwebt. Ich wollte nachvollziehen wie eine zutiefst verletzte Seele es durchsteht als Abnormität am Rand der Schöpfung nur Abscheu und Neugier hervorzurufen? Wie lebt es sich als ein gewinnbringendes Exponat (Lents goldene Gans)? Ich wusste, dieses Geschöpf liebte. Bis zum letzten Atemzug war sie einer tiefen Liebe fähig. Das ist es, was uns an Julia Pastrana überrascht und ergreift. „Sie war der menschlichste Mensch“, meint ihre Begleiterin Rosie la Belle.
DAS BUCH UND SEINE LESER
Zum Glück für dieses Buch wurde es von Lovelybooks.de Lesern entdeckt. Sie haben eine Testlesegruppe gebildet, in der sie den Text in einer Gruppe lasen und fortdauernd besprachen. Ich habe mich mit Enthusiasmus zur Verfügung gestellt, um Fragen zu beantworten über die Entstehung, die Arbeitsweise und meine Absichten. Für mich als Autorin war dies eine äusserst interessante und lehrreiche Zeit. So nah kommt man seinen Lesern sonst nie. Zum erstenmal erfuhr ich die unmittelbare Reaktion auf meine Bilder und Sätze. Ich habe viel dabei gelernt. Sonst arbeite ich still und allein vor mich hin, jetzt aber gabe es Leser, die mir auf die Schulter klopften. Es war ein Erlebnis.
VOM LESEN BIS ZUR TAT
Warum hat Julia Pastrana noch immer kein Grab? Diese Frage stand plötzlich im Raum. Ein Aufschrei erschütterte die Testlesegruppe. Es wurden sofort Vorschläge gemacht, wie man ihr eine menschenwürdige Bestattung geben könnte. Mister Rail entwarf einen Brief an die Norwegische Krone. Er ist hier nachzulesen. Ich übernehme die Schirmherrschaft für die Petition.
Dann kam die „zündende“ Idee mit den Kerzen. Wir beschlossen, unsere Netzwerke zu nutzen. In meinem Fall ist es der BPW-Klub, dem ich angehöre. Das Vorhaben stiess sofort auf lebhaftes Interesse.
Unsere Kerzen entzünden einen Flächenbrand.
Margrit Schriber
Schirmherrin der Petition an die Norwegische Krone
Sonntag, 31. Januar 2010
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